Donnerstag, 28. Juni 2007

Clovis-Kultur nach Kometeneinschlag ausgestorben















Speerspitzen der Clovis-Kultur

Berkeley / Wiesbaden (welt-der-indianer) - Die bisher älteste bekannte menschliche Kultur in Nordamerika, die nach der Stadt Clovis im US-Bundesstaat New Mexico benannte Clovis-Kultur, ist vielleicht nach einem Kometeneinschlag vor etwa 13.000 Jahren ausgestorben. Dies schließen amerikanische Wissenschaftler aus Sedimentuntersuchungen in Nordamerika und Belgien. Nach ihrer Ansicht raste der Komet damals in die Erdatmosphäre, zerbrach in mehrere Teile und explodierte in großen Feuerkugeln, wobei Bruchteile wahrscheinlich bis nach Europa gelangten. Der Einschlag löste angeblich riesige Brände in ganz Nordamerika aus, die ein abruptes Ende der Clovis-Kultur bewirkten.

Richard Firestone vom Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley und seine Kollegen entdeckten in ehemaligen Siedlungen der Clovis-Kultur und an anderen Lokalitäten in Nordamerika und Belgien eine kohlenstoffreiche Sedimentschicht, die mehrere Arten von außerirdischen Gesteinen enthält. Die Wissenschaftler fanden unter anderem winzige Diamanten, die bisher auf der Erde lediglich in Meteoriten gefunden wurden, kleine Kohlenstoffkügelchen, die durch schnelle Abkühlung in der Luft entstehen, und das auf der Erde sehr seltene Helium-3-Isotop. Da die Sedimentschicht keine für Asteroiden typische hohen Nickel- noch Iridiumkonzentrationen enthält, vermuten die Wissenschaftler einen Kometen als Ursprung der Ablagerungen.

Wenn sich die Theorie von Firestone und seinen Kollegen bewahrheiten sollte, könnte sie den abrupten Klimawandel auf der Nordhalbkugel gegen Ende des Eiszeitalters vor etwa 10.000 Jahren erklären. Der Kometeneinschlag könnte den mächtigen Eisschild destabilisiert und damit die als Jüngere Dryas bekannte Kälteperiode ausgelöst haben. Außerdem verursachten die Explosionen nach Ansicht der Wissenschaftler riesige Waldbrände, welche die Clovis-Kultur und einige Säugetierarten auslöschten.

Viele Wissenschaftler stehen der aufsehenerregenden Theorie skeptisch gegenüber. Der amerikanische Paläontologe Paul Koch beispielsweise ist einerseits fasziniert von den neuen Beweisen für einen Kometeneinschlag, andererseits glaubt er aber nicht an die über den ganzen Kontinent verbreiteten Feuer.

Am namengebenden Fundort Clovis wurden 1937 erstmals so genannte Clovis-Spitzen geborgen, die als typisch für die Clovis-Kultur gelten. Dabei handelt es sich um fein gerillte Speerspitzen bis zu 20 Zentimeter Länge. Die beidseitig zurechtgehauenen Clovis-Spitzen eigneten sich sowohl zum Jagen als auch zum Zerteilen von Beutetieren. Clovis-Spitzen sind nur etwa halb so groß wie die Speerspitzen der gleichzeitig in Europa bestehenden Solutréen-Kultur, die nach einem französischen Fundort benannt ist.

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